Gute Stimmung und harte Arbeit

Do. 03.09.2015 - 12:52 -- Stephen Winnall
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Es gibt Ereignisse im Leben eines Mannes, die es unbedingt gilt, für die Ewigkeit festzuhalten. Für mich gehört dazu die Teilnahme unserer Ü60-TT-Mannschaft an der diesjährigen Grand Masters European Hockey Cup.

Die TT-Mannschaften sind in der Natur der Dinge oft ein zusammengeworfener Haufen diverser Hockeyspieler, die sich vielleicht einmal begegnet sind und vor allem erst am ersten Turniertag erfahren, mit wem sie eigentlich zusammen spielen. Auch wenn wir nicht die allerbesten Hockeyspieler sind, stehen Liebe zum Hockey und Motivation hoch im Kurs.

In der Vergangenheit reichte die Anzahl gemeldeter Deutschen und Quasideutschen nicht immer aus (so z.B. im 2012 in Oxford), und man verstärkte sich mit willigen Einheimischen.

So trafen sich am 21. 8. 2015 die diesjährigen TTler im Nordlondoner Southgate, zählten sich und lernten sich kennen. Es handelte sich um Billy, Haribo, Hartmut, Wolf, Peter, Konstantin, Martin, Helmut, Terry, Pal und Steve – um genau elf Spieler also, wobei die zusätzliche Teilnahme zwei weiterer Illustrer – des Schiedsrichters Michael und des DHB-Präsidenten Friese (bürgerlich Wolfgang) – in Aussicht gestellt wurde. Auf ausgeliehenen Einheimischen haben wir vornehm verzichtet.

Verstärkt wurde die Truppe durch die strategischen Fachkräfte Sönke und Achim; wiederhergestellt wurde sie durch die zauberhafte Kerstin; und halslaut – aber immer ladylike – unterstützt wurde sie durch die wunderbaren Damen, die – nicht selbstverständlich – ihre Ehemänner und Vater begleitet haben, nämlich Nani, Sarah, Lisa und Wiebke.

Es galt also, in 6 Tagen 5 Spiele auszutragen – wie es sich herausstellte, nur im zweiten Spiel mit mehr als 11 (genauer gesagt: mit 12) Spielern, was dem Hartmut als Anlass reichte, sich eine Oberschenkelzerrung einzuhandeln. Damit es besonders schön wurde, schien beim ersten Spiel die Sonne mit voller Kraft und ca. 30°C.

Unsere Gegner erschienen jeweils erbarmungslos mit vollem Kontingent, womit unsere Kondition, unser Zusammenspiel und unser Charakter aufs Ärgste strapaziert, aber auch weiter geformt wurden. Man darf festhalten, dass dort, wo sich Breschen erkennen liessen, jemand selbstlos hineingesprungen ist.

Wenn es nach Mannschaftsgeist gegangen wäre, hätten wir souverän den Topf geholt. Hockeyturniere werden aber durch mondänere Faktoren bestimmt, und wir hatten es u.a. mit drei sehr starken Mannschaften zu tun. Gegen Southern Cross (Australien) haben wir gerade bei 30° auch effektiv gespielt, aber mit 2-4 verloren. Gegen England LX White wären wir mit einem 0-4 gut bedient gewesen, sind aber im 4. Viertel total zusammengebrochen und haben am Ende 0-10 verloren. Und gegen der – meines Erachtens besten – Mannschaft Alliance haben wir 2-9 verloren, obgleich wir im letzten Viertel sehr gut mitspielten.

Das Spiel gegen Alliance wird lange wegen des Monsuns in Erinnerung bleiben, der uns am Anfang des Spiels heimsuchte. Nachdem sämtliche Akteure total durchnässt waren, musste das Spiel für etwa 45 Minuten unterbrochen werden. Als das Spiel fortgesetzt wurde, erschien aber langsam wieder die Sonne, so dass die zweite Halbzeit unter einigermassen normalen Bedingungen durchgeführt werden konnte.

So kam es dazu, dass wir im letzten Spiel um den 7. und 8. Platz gegen Wales antreten durften, gegen die Mannschaft also, die uns mit etwas Glück im Gruppenspiel mit 1-0 besiegt hatte. Da Haribo schon aus beruflichen Gründen vor dem Spiel abreisen musste und Sönke und Achim wegen des zeitgleichen Auftritts der Ü60A uns nicht betreuen konnten, sah es im Vorfeld nicht gerade rosig aus. Martins Töchter Sarah und Lisa wurden aber in den Spielbericht als Team Managerin und Trainerin eingetragen, und im letzten Augenblick kam die Kavallerie in der Form von Friese angeritten, womit wir auch noch vollzählig auftreten konnten. Friese übernahm die taktische Betreuung, und siehe da! Statt selber ein frühes Tor zu kassieren, haben wir selber eins geschossen. Die Waliser hatten wir eigentlich (fast) immer im Griff, und am Anfang des vierten Viertels gesellte sich ein zweites deutsches Tor dazu. Im vierten Viertel waren die Waliser, die immerhin über ein vollständiges Kader verfügten, physisch platt, während wir noch relativ locker die 2-0 verteidigen konnten.

Wie lange wir noch Sönke und Achim daran erinnern, dass wir erst bei ihrer Abwesenheit einen Sieg einfahren konnten, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Mannschaft ist aber diesbezüglich käuflich...

Ein Sieg am Ende für eine Mannschaft, die es verdient hatte. Wir wurden von Sönke und Achim hervorragend betreut und haben am Ende ihre Vorsätze gut umgesetzt. Wir haben auf und neben dem Platz zusammen gehalten, auch wenn es schwierig war; wir haben einander unterstützt und im Laufe des Turniers sogar aufgehört, die Schiedsrichter mit unseren Englischkenntnissen beeindrucken zu wollen.

Mit dieser Mannschaft (dazu zählen Betreuung und Anhänger) hat es einfach Spass gemacht.